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| Interview mit
der Rheinischen Post, 23.08.2005 |
Un-Gereimtheiten
INTERVIEW
mit dem Lyriker Jürgen Preuss alias Weinrich Weine |
Weinrich Weine in
der Kompostierungsanlage Breitscheid |
INFO
Kleine Bücherliste
Eigene Gedichtbände:
"Von unten her betrachtet
- Grabsprüche", Landpresse, 2. Auflage, 2003. - "Nieder mit dem Mieder!
Weibgedichte", Höll, 1997.
Beiträge in Anthologien:
"Der verlachte Tod. Heitere
Grabinschriften, Nekrologe und Mementos", Manesse, 2005. - "Es sitzt ein
Vogel auf dem Leim. Rabenschwarze Gedichte", Reclam, 2004. - "Feuer, Wasser,
Luft & Erde. Die Poesie der Elemente", Reclam, 2003. - "SMS-Lyrik.
160 Zeichen Poesie", dtv, 2002.
www.juergen-preuss.de |
Wann
haben Sie mit dem Scheiben begonnen? Sie kommen doch aus einem anderen
Beruf.
Preuss
Ich habe 1995 intensiv angefangen zu schreiben. Damals hatte ich gerade
meine Stelle im Management eines holländischen Großkonzerns
aufgegeben und arbeitete als selbständiger Unternehmensberater. Ursprünglich
komme ich aus der Schifffahrtsbranche. Mein Vater hatte ein eigenes Unternehmen,
das ich einmal übernehmen sollte. Also begann ich nach der Mittleren
Reife meine Ausbildung in Düsseldorf, die mich auch nach London, Marseille,
Rotterdam, Valparaiso und Chicago führte. Als mein Vater 1972 starb,
wurde ich Geschäftsführer und hatte diese Position fast 20 Jahre
lang inne. |
Wie einfach oder wie
schwer war der Einstieg in die zweite Karriere?
Preuss Ich konzentrierte
mich zunächst auf gereimte poetische und satirische Gedichte, die
ich unter dem Pseudonym Weinrich Weine schrieb. Doch es war nicht leicht,
sie an den Mann zu bringen. Der Weg über die Verlage ist lang, und
so habe ich Lesungen gehalten. 1996 brachte ich in Eigenproduktion mein
erstes großes Projekt heraus: "Weingedichte"
im Postkarten-Set. Ein Jahr später folgte eine Sammlung satirischer
Weibgedichte
unter dem Titel "Nieder mit dem Mieder". Diesmal hatte ich einen Verlag
gefunden, musste mich jedoch an den Druckkosten beteiligen. |
Wie einfach oder wie
schwer war der Einstieg in die zweite Karriere?
Preuss Ich hatte
mich schon lange für Lyrik interessiert und habe einfach losgelegt.
Doch der handwerkliche Feinschliff fehlte. Eines Tages stieß ich
auf die Literaturzeitschrift "Das Gedicht" und deren Lektorats-Service.
Für ein wenig Geld kann man seine Sachen dort hinschicken und gegenlesen
lassen. Durch die Gutachten der Profis habe ich sehr viel gelernt. Und
meine Mühen wurden belohnt: 2000 brachte der Landpresse-Verlag unter
dem Titel "Von unten her betrachtet" meine
"Grabsprüche" heraus. Das Buch ist sogar in der zweiten Auflage erschienen. |
Sie schreiben mittlerweile
auch unter Ihrem eigenen Namen. Wo liegt der Unterschied zu Weinrich Weine?
Preuss Als ich den
Lektorats-Service in Anspruch nahm, legte der Verlagschef Anton G. Leitner
mir nahe, es doch einmal mit ungereimten, verdichteten Gedichten zu versuchen.
Das tat ich auch, und so gesellte sich zu dem "Versdichter" Weinrich Weine
der "Verdichter" Jürgen Preuss. |
Wer ist erfolgreicher?
Preuss Es sind sowohl
Beiträge von Weinrich Weine als auch von Jürgen Preuss in verschiedenen
Anthologien namhafter Verlage erschienen. Besonders stolz bin ich auf mein
Gedicht in "Feuer, Wasser, Luft & Erde" bei
Reclam und vier meiner "Grabsprüche" in dem Manesse-Band "Der
verlachte Tod". In beiden bin ich von so bekannten Dichtern wie Goethe,
Heine, Baudelaire und Shakespeare umgeben. |
Ihre Lesungen sind heute
sehr gut besucht. Was lockt die Menschen an?
Preuss Ein großes
Lesungsprogramm, das ich schon oft aufgeführt habe, ist "Tote
reden Tacheles". Obwohl der Tod ein heikles Thema ist, kommen Weinrich
Weines Grabsprüche gut an. Vielleicht auch deshalb, weil ich die Sprüche
nicht einfach nur vorlese, sondern dazu in die Rolle des Friedhofsführers
schlüpfe. Für eine weitere Lesung, "Loopingpong-Lyrik",
habe ich mich mit dem Essener Lyriker Ralf Blaha zusammengetan. Das Programm
basiert auf Texten aus meinem Projekt "Dichte Gedichte
aus 365 Tagen". Dazu habe ich täglich ein Thema aus der Zeitung
herausgefiltert und es anschließend auf wenige Sätze reduziert.
Teilweise liefern wir uns regelrechte Wortspielgefechte. |
Wie ehrgeizig arbeiten
Sie an Ihrer Karriere als Dichter?
Preuss Ich
konzentriere mich zurzeit auf experimentelle Prosa und sogenannte "LyriComics".
Auch habe ich vier fertige Buchmanuskripte hier liegen. Ich betrachte das
Ganze jedoch viel entspannter als früher, als ich mir jede Absage
sehr zu Herzen nahm. Schließlich bin ich auch schon 63 und ein wenig
weiser. |
| Sandra Kaiser führte
das Interview. |
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