Wer strömet so spät
durch Nacht und Wind?
Es ist Vater Rhein mit seinem
Kind.
Er hat das Fischlein wohl
im Fluß.
Er fühlt sich sicher,
aus einem Guß.
- Mein Sohn, was birgst Du
so bang Dein Gesicht? -
- Siehst, Vater, Du den
Erlkönig nicht?
Den Erlkönig
mit Chlor-Gift-Schweif? -
- Mein Sohn, es ist ein
Algenstreif. -
"Du lieber Fisch, komm, geh
mit mir!
Gar schöne Spiele spiel'
ich mit Dir;
Manch' bunter Farbstoff
ist an dem Strand!
Meine Mutter hat quecksilber
Gewand."
- Mein Vater, mein Vater,
und hörest Du nicht,
Was Erlkönig
mir leise verspricht? -
- Schwimm ruhig, bleib ruhig,
mein Kind;
In kurzen Wellen
säuselt der Wind. -
"Willst, feiner Fisch, Du
mit mir gehn?
Meine Töchter sind
Retortenfeen;
Meine Töchter führen
in nächtlichen Rhein
Salz, Kali, Abwässer
und Giftstoffe ein."
- Mein Vater, mein Vater,
und siehst Du nicht dort
Erlkönigs Töchter
am düsteren Ort? -
- Mein Sohn, mein Sohn,
ich seh' es genau;
Es scheinen die alten
Weiden so grau. -
"Ich lieb' Dich, mich reizt
Deine schöne Gestalt;
Und bist Du nicht willig,
so brauch' ich Gewalt."
- Mein Vater, mein Vater,
jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat
mir ein Leids getan! -
Dem Vater Rhein grauset's,
er strömt geschwind,
Er hält in den Wogen
das ächzende Kind,
Erreicht die See mit Müh'
und Not;
Nicht nur der Fisch, der
Rhein war tot. |